Viele Cineasten und Fernsehzuschauer saßen 2007 gebannt auf der Couch oder im Kinosessel als der Film „Juno“ lief und fieberten dem Schicksal der gleichnamigen Hauptfigur, die von der damaligen Schauspielerin Ellen Page dargestellt wurde.

Im Zentrum der Handlung des Überraschungserfolges „Juno“ steht eine 16 jährige Teenagerin namens Juno, die nach ihrer Entjungferung ungewollt schwanger wird. Im Wartesaal eines Gynäkologen, der ihre Abtreibung vornehmen soll, entscheidet sich Juno, dass Kind auszutragen und es anschließend an kinderlose Eltern abzugeben. Der Teenager kann sich nicht vorstellen ein Kind groß zuziehen, möchte den Embryo aber auch nicht töten. Sie findet eigenständig ein geeignetes Ehepaar und beichtet ihren Eltern von der Schwangerschaft. Dann überstürzen sich die Ereignisse. Der Film, in dessen Hauptrollen Ellen Page und Jennifer Garner zu sehen waren, hat viele Menschen berührt und amüsiert. Die Newcomerin Page erntete positive Kritiken und ihr gelang dadurch der internationale Durchbruch als Schauspielerin.

Mich persönlich hat der Film ebenfalls sehr angesprochen, da ich mir immer vorgestellt habe, wie ich mich als schwangerer Teenager gefühlt und aufgeführt hätte. Neben dem Plot und der grandiosen Darbietung der Hauptdarstellerin, überzeugte der Film durch seine Atmosphäre, die Filmmusik, die authentischen Dialoge und seine Machart (u.a. Zeichentrick-Szenen). Doch vor allem mit Juno konnten sich viele Teenager identifizieren, wobei der Film auch Eltern von Teenagern angesprochen hat.

Auch ich habe direkt mit Juno sympathisiert und habe mich auch mit ihr identifiziert, zumahl sie starke Parallelen zu meinem frühen Teenager-Ich aufwies. Auch ich trug Holzfällerhemden, Hoodies, hörte Rock- und Grungemusik und trat oftmals burschikos auf. Aus diesem Grund wurde ich von da an Fan von Ellen Page, die mich auch in „An American Crime“ und „Inception“ überzeugt und begeistert hat. Als sie sich wenige Zeit später als lesbisch geoutet hat und zu einer wichtigen Figur innerhalb der Gay-Community mutierte, war sie für mich eine Heldin, da sich nicht viele Schauspielerinnen in Hollywood trauen diesen Schritt zu tun. Noch immer hat man in Hollywood als Frau den größten Erfolg, wenn man hetero, groß, schlank, jung, vollbusig und weiß ist.

Als ich gehört habe, dass sie sich nun als transgender geoutet hat, war ich mehr als überrascht und auch irritiert, da ich es ähnlich wie bei Mina Caputo (ehemals Keith Caputo, Sänger der Band „Life Of Agony“) nicht hatte kommen sehen. Ich war irgendwie überrumpelt worden mit dieser Nachricht. Bei Lorraine London (ehemals Lorenzo von Staffel2 bei DSDS) dagegen war ich irgendwie vorher schon drauf eingestellt. Mit Mina Caputo und „Life Of Agony“ bin ich in den 90er-Jahren groß geworden und mit Ellen/Elliot Page auch. Im Internet jedoch, schrieben alle, sie hätten es angeblich kommen sehen und waren null überrascht.

Anschließend habe ich mich gefragt, weshalb ich es bei Mina Caputo und bei Elliot Page nicht habe kommen sehen. Vielleicht, weil ich feminine Männer oder burschikose Frauen nicht automatisch als homosexuell oder transsexuell sehe oder sie nicht dahingehend kategorisiere. Sie können einfach sein wie sie sind. Ich stempel eine Frau mit weiten Klamotten nicht automatisch als homo- oder transsexuell ab, da ich selbst weite Kleidung mag und sie in der Hip Hop Szene bei Frauen an der Tagesordnung sind. Selbst Thomas Anders habe ich entgegen des Mainstreamdenkens nicht als homosexuell abgestempelt, nur weil er feminin war und Lipgloss verwendet hat. Warum dürfen Männer keinen Lipgloss tragen? Darf man heutzutage nicht mehr androgyn oder unisex sein? Nach meiner Vorstellung ist alles erlaubt: geschlechtsneutrale Kleidung, eine Geschlechtsangleichung, sich als Frau auch mal maskulin geben oder als Mann feminin. Prinzipiell mache ich mir einfach nie soviel Gedanken über die Sexualität eines Menschen, egal welche Hobbys er hat oder welche Kleidung er trägt. Doch man merkt an vielen Stellen, dass viele Menschen heutzutage noch immer in Klischees denken und Menschen schnell verurteilen oder in eine Kategorie stecken. Eine Frau, die Fußball spielt, wird von der hetero-Mainstreamgesellschaft direkt als homosexuell betrachtet. Doch das sollte längst nicht so sein. Warum dürfen Mädchen nicht Fußball spielen?

Ein schönes Beispiel liefert meine Tochter. Viele halten sie für einen Jungen, obwohl sie eindeutig wie ein Mädchen aussieht. Als ich nachfragte, warum diejenigen es dachten, antwortete man mir „Weil sie so wenig Rosa trägt und keine Zöpfe hat!“ Dieses Statement hat mich mehr als irritiert und ich entgegnete „Ich trage auch kein Rosa und hab heute ein Baseballcap auf. Bin ich jetzt ein Junge? Oder sind die Männer mit Dutt, aufgrund des Dutts, jetzt Frauen?“ Verständnislosigkeit bei mir. Da muss wohl noch einiges getan werden.

Bis jetzt herrscht im Spielzimmer und im Kleiderschrank meine Tochter weder ein Rosa- noch ein Blauüberschuss, da dies einfach nur zwei Farben sind und nicht mehr. Alles ist kunterbunt. Grün, lila, schwarz, rot, gelb. Und wieso sollte ich meiner Tochter Kleidchen oder Röcke anziehen, wenn es unpraktisch ist und alle erwachsenen Frauen meistens Hosen tragen? Wenn meine Tochter irgendwann den Wunsch äußern sollte, sie wolle alles Glitzer, wolle ein TüTü tragen und ihre Wände rosafarben, dann darf sie es selbstverständlich tun. Doch solange sie noch keine Präferenzen äußern kann, versuche ich ihr Spielzeuge aller Art anzubieten, d.h. sie hat in ihrem Repertoire sowohl Puppen und Barbies, als auch Dinos und Autos. Sie trägt jungenmäßige Hoodies, Mädchenleggins und zu besonderen Anlässen auch mal ein Kleidchen. Ich bin da nicht so, dass ich auf „geschlechtsspezifische Farben, Kleidung oder Spielsachen“ schaue, wie anscheinend noch viele Menschen. Für mich ist alles unisex. Meine Tochter darf später Ballerina oder Klempner werden, hauptsache sie wird glücklich. Sie soll ihre Richtung selbst bestimmen, ohne das ich ihr etwas aufzwinge (z.B. meine Lieblingsfarbe Schwarz). Was stimmt mit diesen Menschen nicht? Muss meine Tochter wie eine Barbiepuppe gekleidet sein oder sich wie die Mädchen in den USA schon mit 5 Jahren schminken?

Mein Fazit ist: Soll sich jeder kleiden und definieren wie er will. Doch wir müssen uns auch von alten Klischees lösen. Nicht jede Frau, die einen Hosenanzug trägt möchte ein Mann sein. Nicht jeder Mann, der gerne Strapse trägt, möchte eine Frau sein. Auch wenn es einige gibt, die es doch wollen (siehe Lorraine London). Die Welt ist so bunt und so unterschiedlich sind auch die Menschen. Es ist nicht alles Rosa oder Blau.

In Bezug auf Elliot Page denken ich, dass ich einfach traurig war, dass mit der Geburt von Elliot Page nun eine cool Frau weniger existiert. Es gibt so wenige coole Frauen im Showbusiness. Doch zumindest bleiben noch Shirley Manson, Avril Lavigne, Pink und MC Lyte usw. Ich verstehe auch nicht, weshalb diese Geschlechtsumwandlung in den USA für soviel Furore sorgt. Bei uns in Deutschland geschieht es irgendwie permanent und ist kein Big Deal mehr. Wie dem auch sei. Ich wünsche Elliot Page alles gute für die Zukunft und bin als Fan sehr gespannt auf seinen neuen Film.