Bereits vor einigen Monaten hatte ich ausführlich über das Thema „Generationenunterschiede“ geschrieben. In meinem damaligen Artikel kam ich zu dem Ergebnis, dass alle Generationen etwas gemeinsam haben und zwar in der Hinsicht, dass sie verschiedene Phasen durchlaufen (rebellisch, weise und konservativ) und das es dabei wer man als Person ist nur bedingt davon abhängt, welcher Generation man letztlich angehört.

Soziologen und Psychologen beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Generationskonflikten und Unterschieden, allen voran der Soziologe Klaus Hurrelmann. Dabei liegt der Schwerpunkt der Forschung in der Analyse des Arbeitsverhaltens sowie der Einstellung der einzelnen Generationen zur Arbeit, mit dem Ziel daraus wichtige Erkenntnisse für die Wirtschaft und Politik zu generieren.

Während die Generation Y als die Generation Praktikum und als die Orientierungslosen beschimpft wurde, wird der neuen Generation Z nun das Prädikat Faulheit zugewiesen. Ihnen wird nachgesagt, sie seien zu viel in den social media aktiv und würden sich eher auf ihr eigenes Wohlbefinden und ihr persönliches Glück fokussieren. Selbstverwirklichung, Persönlichkeitsentwicklung und die private Zufriedenheit bilden die Ziele dieser neuen Generation, die nun allesamt in den Arbeitsmarkt integriert werden soll. In den ganzen Debatten, die in den TV-Studios und Online ausgetragen werden, wird mit dem Zeigefinger auf diese Generation gezeigt und eine Panikmache darüber angetrieben, dass sie unsere Gesellschaft mit ihrer miesen Arbeitsmoral nicht tragen kann. Nach der eingehenden Sichtung dieser hitzigen Auseinandersetzungen bin ich persönlich zu dem folgenden Ergebnis gekommen.

Zunächst einmal, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wieso diese Generation genau diese Einstellung zur Arbeit entwickelt hat. Zunächst einmal gehören die Eltern der Gen-Zter den Generationen X (geboren zwischen 1964 und 1979) und Y (geboren zwischen 1980 und 1995) an. Auch diesen beiden Elterngenerationen wurden damals von Seiten der Boomer (geboren zwischen 1945 und 1964) Faulheit und Ziellosigkeit vorgeworfen. Und das vor dem Hintergrund, dass die Boomer nur das Glück hatten in die Zeit des Wirtschaftswunders bzw. des Aufschwungs geboren worden zu sein. Dementsprechend konnten die Boomer sich über die Köpfe derer erheben, die nicht das Geburtsglück hatten in diese glorreiche Zeit hineingeboren worden zu sein und merkten niemals, dass sie die Jobs längst für sich beansprucht bzw. blockierten haben und dass sich der Arbeitsmarkt seitdem sie in die Arbeitswelt gingen stark verändert hat. Und nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das Werte- und Normsystem haben sich weiterentwickelt. Die gesamte Gesellschaft ist heterogener und pluralistischer geworden, d.h. das sich viele feste Systeme wie religiöse Gemeinschaften oder regionale Verbindungen aufgelöst haben. Daraus resultiert im Umkehrschluss, dass nun das Individuum und die Autonomie des Einzelnen den Fokus des Lebens und das Lebengefühl der kommenden Generationen bestimmen.

Das 21. Jahrhundert hat viele Menschen in eine Welt voller Freiheiten der Auswahlmöglichkeiten hineingeworfen, ohne dass man ihnen dafür eine Anweisung zur Hand gegeben hat. Jeder muss quasi selbst herausfinden, wer oder was er ist bzw. wer oder was er später einmal sein möchte. Die gesamte Orientieurngsphase verläuft nunmehr bis in die späten 20er Lebensjahre. Diese Umstrukturierung der Lebensphasen hat viele Folgen für die Gesellschaft und auf das einzelne Individuum. Beispielsweise gehen viele junge Menschen später arbeiten oder haben in ihren 20er Jahren vielmehr Freizeit und können somit auch der Selbstverwirklichung nachgehen. Bei dieser längeren Identitäts- und Sinnsuche spielen die Erziehung und die Normvorstellungen des Elternhauses eine eher untergeordnetere Rolle, vielmehr prägen die Komplexität und die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Gesellschaft und des Systems in das man geboren wird und in dem man leben muss die entscheidene Schlüsselrolle. Das zeigt vor allem die Tatsache, dass die Einstellung zur Arbeit an kein bestimmtes Milieu oder an den religiösen oder ethnischen Hintergrund gebunden ist. Vielmehr sind diese kollektiven Zielbewegungen eine Art Ausdruck von gesellschaftlicher Spiegelung. Und zwar jener Gesellschaft, die die vorherigen Generationen für die Genaration Z mit aufgebaut hat. Deshalb können diese sowie alle folgenden Generationen nur so wachsen, die es der Nährboden auf dem sie fußt zulässt. Die Generation Z reagiert nur auf die Umwelteinflüsse und die politischen Verhältnisse, die sie umgibt und die ihre Eltern und Großelterngeneration vererbt hat. Beispielsweise ist das Umweltengagement Ausdruck der Versäumnisse der Vorgenerationen.  

Nach dieser Ursachenanalyse meinerseits komme ich zurück zum Thema. Jedoch habe ich als alleinerziehende Mutter wenig Zeit und deshalb schreibe ich den Artikel in der nächsten Woche zu Ende.

Bis dann Eure Martha