Das erste Mal sah ich den ESC 1993. Damals fand ich es altbacken und öde. In dem Jahr traten MiKaDo mit „Wir geben ne Party“ für Deutschland an. Den Song fand ich trotzdem gut. Ich kannte bereits Nicole und Abba usw. Doch richtiger Fan wurde ich erst 1998 als Guildo Horn mein ESC-Fieber geweckt hatte. Der Antritt von dem Schlagerking Guildo wurde durch Stefan Raabs Propaganda angefeuert. Tausende von Menschen fuhren nach Polen, Holland oder Belgien, um für Guildo anzurufen. Immerhin bekam er aus den Ländern 8 bis 12 Punkte. Es reichte immerhin für Platz 8. Gewonnen hatte die israelische Sängerin Dana International, damals ein Skandal, da sie transgender ist, was in einem religösen Land wie Israel für Furrore sorgte.

Danach war ich jedes Jahr dabei. Olsen Brothers, Lordi, Lena, Rybak, Loreen, Conchita Wurst oder Russlana. Alle Sieger und viele der Auftritte haben mich in den Bann gezogen, begeistert und unterhalten.

Ich bin ein Riesen ESC-Fan und finde es immer schlimm, wenn Menschen sagen, dass dies eine Ostblock- oder Schwulenveranstaltung sei. Selbstverständlich sind die östlichen Länder und Balkanstaaten sehr am ESC interessiert und auch die Gaycommunity findet es einfach toll. Sie hat dort seine Plattform entdeckt, um sich ungeniert zu präsentieren und die Toleranz hochhält.

Die Punkte Hin- und Herschieberei war zwar kein Mythos. Allerdings ein war noch kein Sieger nur durch Punktezuschiebung erkoren worden. Sonst hätte Polen auch immer oben auf den hohen Rängen gelegen oder die Ukraine. Fakt ist das überwiegend bis heute nordische Länder oder mitteleuropäische Sieger waren. Deshalb kann man dieses Vourteil mit einem eindeutigen Beweis entkräften. Trotzdem gibt es nun eine Jury, die im Vorfeld Punkte vergibt, sodass das Publikum nur noch zu 50% Einfluss auf das Wahlergebnis hat. Auf der einen Seite fair, auf der anderen unfair. Zum einen, weil alle vorherigen Sieger ebenfalls in Frage gestellt werden könnten. Zum anderen nimmt man dem Publikum die Entscheidung weg und verfälscht das Ergebnis. Schließlich muss der Song dem Publikum und keiner Jury gefallen. Eine Jury geht auch nur bach subjektivem Geschmack. Was zählt sind die Konsumenten, also diejenigen die später den Song in die Charts befördern und die einen Überblick über den Massengeschmack liefern.

Letztes Jahr fiel die Veranstaltung aufgrund der Corona-Krise das allererste mal in der Geschichte des Eurovision Song Contests aus. Doch dieses Jahr wird alles nachgeholt.

Ich habe den ersten Vorentscheid am 18.05.21 verpasst. Als ich den zweiten verfolgt habe, hatte ich drei Favoriten: Portugal mit einer Gruppe namens Black Mumba die eine Art Jazz-Soul-Pop liefern. Dann Finnland, die mit einer Band an den Start geht, die einen bunten Mix aus Crossover, Rap, Rock und Synthiesound bringen. Zuletzt ist mir die bulgarische Sängerin Victoria aufgefallen, die zwar wie Billy Eilish klingt, aber der Song einfach gut ist.

Ich bin auf Samstag gespannt.