Sie sind schwanger! Ein Satz der alles verändert hat. Ich? Eine Frau, die niemals schwanger werden wollte war es nun. Von einem Tag auf den anderen musste ich mich umstellen. Kein Alkohol mehr und keine Medikamente bis zur Entbindung. Es war Dezember und kein Glühwein war nun erlaubt. Im Januar kam auch noch eine Erkältung, die ich aus eigener Kraft, ohne Zunahme von Tabletten kuriert hatte. Auf einmal schmeckte mir Kaffee nicht mehr. Kaffee, mein Lebenselixier, war nun ungeniessbar.
Doch am schlimmsten waren die Gespräche bei der Caritas und die mit anderen Müttern. „Willst du stillen?“, „Wo soll das Bettchen hin?“, „Willst du das Geschlecht schon vorher wissen?“, „Hol dir ein Stillkissen!“, „Sie brauchen einen StillBH!“, „Erstausstattung muss ab dem 5. Monat besorgt worden sein!“, „Wollen sie eine Spontangeburt?“, „Wo willst du entbinden?“, „Melde dich jetzt schon bei Littlebird für eine Kita an!“ oder „Hast du schon einen Namen?“.
All dies prasselte auf mich ein und das einzige was ich mich fragte war „Wo ist die nächste Toilette? Und was zum Teufel sind Stillkissen und Littlebird!“ Ich selbst war längst angrybird. Doch es wurde nich schlimmer, denn ich traf auf eine Spezies, die ich bislang nur aus dem Fernsehen kannte. Ich traf auf eine perfekte Mutter.
Herablassend sah mich diese Frau an, deren Lebensinhalt Windeln, Haushalt und GuteNachtGeschichten erzählen waren. Vier Stück hatte sie und alle auf natrüliche Weise zur Welt gebracht. „Du wirst ein ganz anderer Mensch, nachdem dir dieses Bündel in die Hand gedrückt wird. Ich zum Beispiel gucke keine Horrorfilme mehr, denn man wird sensibler durch die Hormone!“ Oh mein Gott, dachte ich. Ist das wirklich so schlimm? Werde ich Sex and Crime nun für immer abschwören, nur weil ich Mutter werde? Ich sah zu meinen Postern an der Wand. Larry Flynt, Tarantino und Marilyn Manson lachten mich an. Nein, die kann und werde ich nicht aufgeben.
Selbstverständlich rieten mir alle zur Spontangeburt. „Du musst das Baby spüren. Du musst den Schmerz spüren!“ sagte die perfect Mom, während sie ihe Brust vor mir rausholte und ihren mittlerweile 18Monate alten Bengel stillte. „Muss ich das?“ fragte ich stirnrunzelt. Ich war zwar nicht „to push to push“, aber den Horror, den ich im Film so liebte, musste ich doch nicht am eigenen Leib erfahren. „Das Kind bekommt eine Anpassungsstörung, wenn du eine Sectio vornimmst. Ja. Kaiserschnitt zerstört dein Kind.“ Alle wollten sie mich umstimmen, selbst die Frauen im Krankenhaus. Sind sie sicher? Circa 30mal wurde ich das bei der Terminbesprechung gefragt. „JA. Ich bin mir sicher. Ich will das Kind auf keinen Fall natürlich auf die Welt bringen!“ Die perfect mom sah mich an, als ob ich Satan persönlich wäre. Niemand verstand mich, was mir egal war. Doch dann rief ich eine Freundin an die Kinderkrankenschwester und Hebamme zugleich war. Sie sagte „Mach nur Kaiserschnitt! Bitte vertrau mir!“ Endlich jemand, der mich verstand. Und es war die beste Entscheidung meins Lebens.
Nach dem Kaiserschnitt kam der Schmerz, doch schon einen Tag später lief ich rum. Nun standen andere Probleme an. Das Baby lag im Bett, ich hatte noch kein Beistellbett und alle wollten, dass ich Stille. Ich konnte es nicht und wollte es nicht. Ich empfand es als unnatürlich. Wieder sahen mich alle an, als sei ich vom Mars. Ich weiß zwar selten was ich will, aber ich weiß genau was ich nicht will…
To be continued
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