Haben sie schon einmal bemerkt, dass in US-amerikanischen Serien ständig dieselben fiktiven Charaktere bzw. Figuren mit ein und denselben Eigenschaften auftauchen? Es ist so! Doch die meisten Zuschauer bemerken es nicht. Als Film- und Serienfan bin ich mit den ständig auftauchenden Charakteren wie dem Nice Guy, dem mean girl, der femme fatal, dem nerd, dem badboy, der jewish princess, dem toxic friend sowie vielen weiteren Figuren, bestens vertraut und kenne all ihre Eigenschaften. Zur Information: Bei diesen Film- und Serien-Figuren handelt es sich um teils stereotype oder auf Klischees beruhende fiktive Charaktere, die in ihren Eigenschaften sehr festgelegt sind, aber auch leicht oder stark vom jeweiligen Klischee abweichen können (z.B. in Filmen, die diese Klischees bewusst durchbrechen). Dabei können die Charaktere sowohl Neben- als auch Hauptfiguren sein.

Bei meinen letzten Recherchen im Internet stieß ich jedoch auf einen Film- bzw. Seriencharakter, der für mich vollkommen neu war: den SIMP. Diese Figur sowie der Begriff waren mir bislang vollkommen unbekannt. Als ich die Youtube-Kommentare las, stellte ich schnell fest, dass ich nicht die einzige bin, die mit dem Begriff nichts anfangen konnte. Doch es gab auch einige wenige Menschen, die so selbstverständlich von dem SIMP sprachen als würde es sich dabei um die JAP (jewish american princess) oder die weltweit bekannte „böse Stiefmutter“ handeln.  

Als ich feststellte, dass es sich bei dem SIMP meist um den besten Freund einer Protagonistin in Rom-Coms, Comedys oder Teeniefilmen handelt, fiel mir auf, dass ständig male best friends einer Protagonistin in Filmen oder Serien auftauchen. Ich dachte zunächst, dass ein SIMP ein rein platonischer Freund sei, der keinerlei Liebesgefühle zu seiner besten Freundin hat. Spontan fielen mir zum einen Jesse Jackson (Eldon Henson), der beste Freund von Laney Boggs (Rachel Leigh Cook) aus „Eine wie keine“ und zum anderen Dan Byrd (Carter Farell) der beste Freund von Sam Montgomery (Hilary Duff) aus dem Teeniefilm „Cinderella Story“, ein. Doch als ich genauer über das Phänomen eines SIMPS recherchierte (in Internetartikeln und in Youtube-Videos), stellte ich fest, dass diese beiden Film-Charaktere keine SIMPs, sondern lediglich Nice Guys sind.

Meine Recherchen zum Phänomen SIMP ergaben Folgendes:

„Simp ist ein Weichei, falsch, freundlich, nett mit Hintergedanken“ oder „Als Simp werden insbesondere Männer bezeichnet, die einer Frau übermenschliche Werte zuschreiben und durch diverse Aufmerksamkeiten versuchen, sie für sich zu gewinnen. Meist bleibt die Beziehung jedoch einseitig.“ (Quelle. www.stuttgarter-nachrichten.de)

Oder:

Ein Simp ist ein Freund, der hinter einer bestimmten Frau her ist (meist eine nähere Freundin). Obwohl es aussichtslos ist und keinerlei Anzeichen dafür bestehen, dass sich eine Liebesbeziehung zwischen ihm und seiner Angebeteten entwickeln könnte, kann ein Simp nicht  einsehen bzw. akzeptieren, dass seine Angebetete niemals mit ihm zusammen kommen wird.

Der Ursprung des Wortes SIMP reicht auf das Jahr 1903 zurück. Populär wurde er aber erst seit den 1980er und 1990er Jahren, da er seither verstärkt in der Hip-Hop-Szene verwendet wird. Der Begriff SIMP wird in der Rap-Szene als Wortspiel benutzt, um das Gegenteil eines PIMPs zu beschreiben, welcher für einige Rapper eine Art erstrebenswertes Idealbild darstellt. Ein Pimp ist ein „echetr“ Kerl, der sich ohne Skrupel bei den Frauen holt was er will und in narzisstischer Manier seine äußere Erscheinung einsetzt, um sein Umfeld zu beeindrucken. Oftmals legt der Pimp Frauen gegenüber eine Art Machoattitüde ein oder spielt den Unnahbaren (lässt die Frauen zu sich kommen). Hinter seiner Fassade steckt jedoch oftmals nicht viel. Ein SIMP stellt demnach das Gegenteil für die Hip-Hoper dar, da er nicht protzt, sondern stattdessen ein Romantiker ist, der nur eine Frau möchte. Er ist in den Augen der Rapper kein echter Mann, da er kein Macho ist, sondern den Frauenversteher mimt, nicht „männlich genug“ auftritt und zuletzt erfolglos bei Frauen ist. Ich persönlich halte von beiden Männertypen nicht viel (nur so mal am Rande erwähnt).

Zusammenfassend:

Ein Simp ist also ein „weicher“, bei Frauen erfolgloser Mann, der in einer übertriebenen Art einer bestimmten Frau hinterherläuft, ohne auch nur die geringste Chance bei dieser Frau zu haben. Er ist überzeugt, dass er irgendwann einmal mit dieser Frau zusammen kommen wird, auch wenn alle Anzeichen darauf hindeuten, dass dies niemals passieren wird. In der Regel handelt es sich bei dem Objekt der Begierde um eine sehr gute platonische Freundin. Der Simp versucht seine „Angebetete“ ständig von seinen Qualitäten zu überzeugen und gibt niemals auf.  Als Beispiel für SIMPs wurde u.a. Phil Dale (Con Cryer), der beste Freund von Molly Ringwald (Andie Walsh) aus dem Film „Pretty in Pink“ benannt. Mit diesem Filmcharakter bin ich bestens vertraut. Phil entspricht zwar weitestgehend einem SIMP, weicht jedoch auch von ihm ab, da er am Ende des Films akzeptiert, dass Molly (sein Objekt der Begierde) sich für einen anderen Mann entscheidet.

Schlussfolgerungen:

Irgendwie empfinde ich den Simp nach all diesen Informationen als eine Art Stalker. Jedoch kann er kein richtiger Stalker sein, da ein Stalker meist seiner Angebeteten auflauert oder ein Ex-Freund ist, der die Trennung nicht akzeptieren möchte. Vielleicht ist der Simp kein Stalker, aber er hat zumindest Züge eines Stalkers. Als Gunther aus der Serie „Friends“ (Arbeitskollege von Rachel Green) als Paradebeispiel eines Simps benannt wurde, war ich perplex, da ich diesen Seriencharakter als stalkenden Arbeitskollegen wahrgenommen habe. Es wurden auch Parallelen zwischen einem SIMP und einem „Nice Guy“ (z.B. Paul Tannek aus dem Film „Loser“) gezogen, einer Figur die ebenfalls ständig in Filmen auftaucht und auch einen Bezug zum „Jewish Nice Guy“ hat (z.B. Howard Wolowitz aus Big Bang Theory). Diesen Vergleich kann ich nachvollziehen, auch wenn ein Nice Guy nicht einer Frau hinter läuft, die nichts von ihr will. Der Nice Guy ist einfach der nette Typ, ohne Hintergedanken. (Wie bereits erwähnt wären die beiden Film-Charaktere Jesse Jackson und Dan Byrd also klassische Nice Guys).

Mein abschließendes Resümee zum Phänomen SIMP lautet deshalb:

Erstens: Beim SIMP handelt es sich um einen hoffungslosen Romantiker, der so blind vor Liebe ist, dass er nicht mitbekommt, dass die Angebetete nichts von ihm möchte.

Zweitens: Ein SIMP kann Züge eines Stalkers entwickeln und wirkt oftmals psychopathisch.

Drittens: Ein SIMP ist zumindest immer nett zu Frauen (aber nur, weil er eine Gegenleistung für seine Nettigkeit (Liebe, Sex, Beziehung) möchte. In diesem Punkt unterscheidet er sich vom Nice Guy, der für seine Freundlichkeit keinerlei Gegenleistung von Frauen möchte. Er behandelt Frauen zumindest mit Respekt, auch wenn er die Abweisung nicht akzeptiert.

Zuletzt ist mir ein Paradebeispiel eines Simps eingefallen und zwar kein geringerer als Steve Urcle (Jeleel White) aus der Serie „Alle unter einem Dach“. Steve liebt Laura Winslow (Kellie S. Williams), die sowas wie seine beste Freundin ist. Er ist ein Romantiker und lebt in seiner eigenen Welt. Er kann nicht akzeptieren, dass Laura ihn nicht will, denn er sieht in jeder Kleinigkeit oder Anmerkung von Laura neue Hoffnung, wo eigentlich keine ist. Seine Obsession für Laura hat definitiv psychopathische und stalkerähnliche Züge. Steve wird Laura nie bekommen und gibt sich irgendwann mit einem Mädchen namens Myra Monkhouse (Michelle Thomas) zufrieden. Doch selbst als er über 2 Jahre mit Myra in einer Beziehung ist, gibt er Laura, die ebenfalls fest liiert ist, nicht auf. Die Serie lebt u.a. von diesem Liebes-Triangle-Konflikt. 

Ich werde nun verstärkt auf Simps achten und bin gespannt, wie viele ich im Nachhinein noch in Serien und Filmen entdecke. Prinzipiell bin ich kein Fan von zu stereotypen oder klischeehaften Figuren. Jedoch finde ich sie im Kontext von Teeniefilmen, Teenieserien, Comedyserien oder RomComs legitim, da diese Filme primär den Anspruch haben zu unterhalten. Ich denke das amerikanische Publikum braucht diese Figuren, um ihre immer komplexer werdende Gesellschaft besser zu sortieren. Durch stark festgelegte Film- oder Serien-Figuren weiß der Zuschauer direkt, mit wem er/sie es zu tun hat. Einige Serien brechen bewusst mit diesen Klischees, was einen noch stärkeren Reiz ausüben kann. Doch irgendwie imitiert die Kunst auch das Leben und es gibt in der Realität tatsächlich Menschen, die genau diesem Klischee entsprechen oder sogar dem Klischee bewusst entsprechen möchten (z.B. die Highschool-Diva sein). Ich finde es immer wieder witzig diese bekannten Figuren zu entdecken, unabhängig davon, was ich davon halten mag oder ob die Figur gelungen ist. Schließlich kann man darin auch eine indirekte Kritik sehen oder sie als überspitzte karikativ-satirische Figuren betrachten. Viel Spaß bei der Simp-Entdeckungsreise.