Jeder kennt diese Situation. Man schaut in den Facebook Messanger und irgendein ehemaliger Klassenkamerad hat einem eine Einladung zum Klassentreffen verschickt (z.B. zum Zehnjährigen). Unten drunter steht dann noch wer alles kommen wird. Bla Bla Bla…
Genau darum geht es im Film „Romy und Michelle“ dem mit Abstand besten Highschool Reunion Film aller Zeiten.
Zum Plot: Es ist das Jahr 1996. Romy White und Michelle Wineberger sind zwei 28 jährige ledige Frauen, die in L.A. leben, Singles sind, unverheiratet und die noch keine Karriere gemacht haben. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch, gehen feiern und ziehen sich dabei immer sehr aufreizend an. Schließlich sind die beiden blondierten Madonna-Fans extrem attraktiv und interessieren sich für Mode.
Als sie von einem Klassentreffen 10 Jahre nach dem Highschool-Abschluss von ihrer ehemaligen Schulkameradin Heather Mooney erfahren freuen sie sich zunächst. Die nerdige Einzelgängerin Heather Mooney war auf der Schule alles andere als beliebt. Jedoch gelang es der strebsamen Rockerin durch die Erfindung eines schnellbrennenden Zigarettenpapieres, durch welches es möglich ist eine Zigarette in nur 2 Minuten zu rauchen, erfolgreich zu werden. Heather war auf der Highschool eine dunkelgekleidete Rockerin, die gerne rauchte und im Erfinder-Club der Schule war, wo sie sich unsterblich in Sandy Frink verliebt hatte, der der Streber der Schule und damit ebenfalls Außenseiter war. Dieser war an der düsteren Heather nicht interessiert, sondern an der langbeinigen Michelle Wineberger. Zudem litt Heather neben ihrem Liebeskummer unter einem mysteriösen Jungen, der sie täglich in der Raucherecke erniediegt hat. Heather hatte Pech bei Männern, wurde nie zum Ball eingeladen, was womöglich an ihrer frechen, sarkastischen, burschikosen und dominanten Art lag.
Romy und Michelle wollen auf jeden Fall zum Klassentreffen und schwelgen on Erinnerungen als sie ihr Highschool-Jahrbuch durchstöbern und an 1986 denken. Als sie über Heather, Sandy und sich nachdenken, stellen sie plötzlich fest, dass sie damals ebenfalls nicht cool waren. Eine böse Yuppie-Clique hatte sie damals gemobbt und sich u.a. über Romys breite Hüften, Michelles Stützkorsette und ihre an Madonna orientierten Outfits lustig gemacht. Auf dem Abschlussball auf den Romy und Michelle sich in Madonna-Klamotten geschmissen haben, spielt ihnen die Clique einen gemeinen Streich mithilfe eines Jungen namens Billy. Billy, der beliebteste Junge der Schule ist, lügt Romy an, dass er auf sie stehen würde. Sie wartet die halbe Nacht auf ihn und er kommt nicht, um mit ihr zu tanzen. Die Highschool endet traurig.
Doch es kommt noch schlimmer. Romy und Michelle fällt zudem auf, dass sie nichts vorzuweisen haben, um ihre ehemaligen Mitschüler zu beeindrucken. Sie realisieren, dass sie fast 30, ledig, unverheiratet, ohne Kinder und ohne Karriere sind. Die blonden Madonna-Fans sind auf einmal niedergeschlagen glauben „Loser zu sein“.
Da kommt Romy auf die Idee sich als Businessfrauen zu inszenieren und den Klassenkameraden zu erzählen sie seien Unternehmerinnen und hätten die Post-its erfunden. Heather Mooney würde nicht kommen, da sie alle aus der Highschool hasst und sie könnten alle anderen anschmieren. Perfekt. Sie ordern eine fette Karre und kaufen sich sexy Buainessdresses. Ab nach Tuson in die alte Heimat. Heather Monney wird nicht kommen, also bahnfrei für ihre Story vom Post-it-Unternehmen.
Als sie ankommen hat die In-Clique bereits eine Ehe und Kinder vorzuweisen. Ein Mädchwn aus der Truppe, hatte jedoch den Kontakt zu den arroganten Snobs abgebrochen und Karriere als Chefredakteurin bei der Vogue gemacht. Erneut jemand der Karriere gemacht hat. Im Gespräch mit der Clique erfährt Romy zudem, dass auch Sandy Frink Karriere gemacht hat und nun Multimillionär ist. Er habe einen speziellen Gummi erfunden, der nun in allen Sneakern der Welt vorzufinden sei. Die Anführerin der In-Clique lässt die Bombe platzen und erzählt, sie habe den Highschool Schönling Billy geheiratet, was Romy schockiert, da sie damals unsterblich in ihn verliebt war. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um ihre erfundene Story auszupacken und alle zu beeindrucken.
Gerade in dem Moment als die Clique dabei ist es ihr zu glauben und sie endlich Respekt von ihnen bekommt, taucht Heather Mooney rauchend und sarkastisch wie eh und je auf. Sie will mit Sandy Frink abrechnen, der sie immer ignoriert hat. Sie lässt Romys Lüge platzen, da sie als BWL-Studentin und Unternehmerin den Namen des wahren Post-its-Erfinders kennt. Die In-Clique lacht Romy und Michelle erneut aus und sie werden zum Gespött des ganzen Klassentreffens.
Anschließend kommen Romy und Michelle zu der Einsicht, dass sie happy waren mit ihrem Leben, bevor sie von dem Klassentreffen erfahren haben. Wieso stört es sie dann, was irgendwelche Hausfrauen-Trullas über sie denken? Also tun sie das, was sie am besten können. Sie selbst sein. Sie schmeißen sich in ihre knallengen Outfits und wollen den Abend genießen.
Beim Zusammenprall mit der Clique gehen sie in die Offensive und sagen „Wieso müsst ihr immer so gemeine Kühe sein? Ja wir haben die Story das wir Unternehmerinnen sind erfunden, aber nur weil wir euch beeindrucken und dazugehören wollten. Doch nun ist es uns egal was ihr von uns denkt!“ Die In-Clique lässt dies nicht auf sich sitzen und sagt „Na und? Wir sind glücklich verheiratet und tragen wenigstens nicht so schäbige Klamotten!“ Daraufhin schaltet sich die Vogue-Chefredakteurin ein und sagt „Wenn ich es mir als Modeexpertin so ansehe, dann sind diese Outfits gar nicht mal so schlecht!“ Die Anführerin der Clique ist wütend und kontert „Du bist doch bloß neidisch, weil wir glücklich verheiratet sind, du karrieregeile Emanze.“ Daraufhin sagt die Vogue-Chefin „Ja genau. Bild dir all dies ruhig weiter ein!“
Anschließend kommen alle Ehemaligen auf Romy und Michelle zu und machen ihnen Komplimente zu den Kleidern, die sie auch noch selbst designed haben. Es kommt zur Aussprache zwischen Sandy, Heather, Romy und Michele und anderen. Die unausgesprochenen Konflikte zwischen allen ehemaligen Klassenkameraden werden beseitigt, als alle feststellen, dass jeder irgendwann jemanden bewundert hat und das jeder irgendwann mal jemanden geärgert hat. Für Romy und Michelle waren die Yuppies die In-Clique, für Heather Mooney waren es Romy und Michelle. Sie gibt zu sie immer um ihren Sexappeal beneidet zu haben. Die Wogen sind geglättet und die Outsider der Schule verbünden sich und werden Freunde.
Am Ende investiert der Millionär Sandy Frink in eine Modeboutique von Romy und Michelle und sie werden selbstständige Modedesignerinnen. Heather Mooney, die durch ihre burschikose Art immer Pech bei Männern hatte, kommt mit dem sexy geheimnisvollen leidenschaftlichen Raucher der Schule zusammen.
Happy End. Einer meiner Lieblingsfilme dieser Stilrichtung.
Romy und Michelle sind zwar als Madonnafans schon ziemlich cool. Doch der wahre Star des Films ist für mich Heather Mooney. Zum einen gefällt mir ihre schwarze Kleidung und ihr ironischer Unterton. Sie scheint die Einzige mit einer „Fuck you“ Haltung zu sein und das schon während der Highschoolzeit. Als Einzelgängerin nimmt sie den Zirkus rund um Klamotten, Trends und Dazuzugehörenwollen nicht ernst. Sie ist zudem auch sehr witzig und eine authentische Figur, zwischen all den stereotypen Highschoolschülern. Selbst der Streber Sandy Frink ist ein wandelndes Klischee. Romy, Michelle und Heather sprengen die Erwartungen, da sie in keine Schublade oder Kategorie gehören. Zum Schluss verbünden sie sich sogar gegen den Rest der Mitschüler. Immer wenn Heather im Film auftaucht ist man happy. Sie mischt die perfekte Welt auf, redet wie der Schnabel ihr gewachsen ist und bringt alles durcheinander. Sie hält allen den Spiegel vor und wird zum enfant terrible in dem Film.
Ich identifiziere mich sehr mit ihr und kann mich in vielen ihrer Eigenschaften wiederentdecken. Gespielt wurde Heather von der bisexuellen Schauspielerin Jeanne Garofalo, die durch Filme wie „Reality Bites“ und „Lügen haben schöne Beine“ bekannt wurde.
Der Film ist eine Empfehlung an alle im einer Lebens- oder Midlifekrise. Aber auch an alle die Spaß an Komödien haben, die 80erJahre Fans sind, an alle die auf Frauenpower stehen und an alle die seichte Unterhaltung lieben.
Der Film übt Kritik an Menschen, die andere immer bewerten, verurteilen oder in Schubladen stecken. Was ist falsch daran mit 28 unverheiratet und ohne Kinder zu sein? Was ist falsch daran kein perfektes Leben mit Kirche, Kinder, Küche zu führen? Müssen alle ein langweiliges Spießerleben mit Haus Garten und Hund führen? Ist das die Erfüllung des Lebens? Täglich 8 Stunden arbeiten, um Konsumgüter zu kaufen und andere damit zu beeindrucken was man alles an materiellem Zeug hat? Ist Karriere alles? Ist es toll sich über andere, die nicht soviel erreicht haben lustig zu machen? All dies stellt der Film in Frage, wodruch er großartig wird.
Die Message des Films ist: Wichtig ist nur eins im Leben. Das du ein großartige Mensch bist, ganz egal wieviel Kinder oder Geld du hast. Und „Lebe einfach dein Leben, egal was andere denken. Sei du selbst!“
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