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Monat: Juli 2023

The Bill Clinton Kid – Das Phänomen Matan Even: Internetmeme und Troll

Durchbruch bei den Game Awards

Es ist der 08.12.2022  und die „Game Awards“ finden statt. Die Gewinner des „Game Of The Year“ werden bekannt gegeben. Der Preis geht an „Elden Ring“ und es treten insgesamt ca. 5 Personen auf die Bühne, die alle einzeln ihre Dankesreden halten. Mitten unter ihnen steht ein etwas kleiner junger Mann. Er wartet und tritt als letzter vor das Mikrofon und sagt „Ich danke meinem reformierten orthodoxen Rabi Bill Clinton“. Das Publikum ist sichtlich irritiert und applaudiert, ohne zu verstehen was die Absicht und Intention des jungen Mannes ist. Anschließend stellt sich heraus, dass es sich bei dem jungen Mann um eine sich auf die Bühne geschlichene Person gehandelt hat. Die „unbefugte Person“ wird inhaftiert und als Matan Even identifiziert. Es stellt sich heraus, dass der eingeschlichene Gast gerade einmal 15 Jahre alt und damit noch minderjährig ist. Aufgrund seines Alters wird er am nächsten Tag wieder frei gelassen, da man herausgefunden hat, dass es sich bei ihm um einen „jüdischen Prankster“ handelt.

Seither wird er im Netz unter der Bezeichnung „The Bill Clinton Kid“ celebriert und geht viral, da überall über diesen Vorfall berichtet wird. Alle fragen sich: Wer ist er? Wie hat er es unbemerkt geschafft sich auf die Bühne zu schleichen? Waren die Sicherheitsvorkehrungen nicht hoch genug? Was war das Ziel des Teenagers? Wieso erwähnt er Bill Clinton? Matan Even hat es nicht nur geschafft über Nacht die maximale Aufmerksamkeit der Medienwelt auf sich und seine Person zu lenken, sondern er hinterlässt ein ratloses Publikum. Diese Ratlosigkeit und Verwirrung heizt das Interesse noch einmal zusätzlich an und er mutiert binnen weniger Tage zu einem Internetstar.

Nur einen Tag später wird „The Bill Clinton Kid“ zu einem 90 Minuten langen Interview bei NeoSniperPanda eingeladen und beantwortet die Fragen in einem nahöstlichen harten Akzent und lässt erneut offen, welche seiner Aussagen ernst gemeint sind. Im Zweifelsfall stiftet Matan erneut die maximale Verwirrung und Irritation, die ein Troll wie er bringen kann. Im Interview bestätigt Matan, dass er Jude ist, unter anderem, weil ihm Antisemitismus nachgesagt wird. Seinem hebräischen Namen nach sollte man es ihm glauben. In dem Gespräch kam ans Licht, dass Matan solche Aktionen bereits seit seinem 12. Lebensjahr macht. Beispielsweise hat er bei einer Veranstaltung „Free Hong Kong“ gerufen und hat mehrmals Bühnen unbefugt betreten.

The Bill Clinton Kid Is Everywhere!

Nach dem Auftritt stellt Matan viel Content in das Internet und zwar auf unterschiedlichen Plattformen, u.a. auf seinem Instagram-, seinem Youtube- und seinem Twitteraccount. Er zeigt sich auch auf Channels mehrerer anderer Streamer und Internetstars (u.a. Sneako) und stiftet dabei immer Unruhe. Er trollt weiter. Schnell sagen ihm die Konsumenten nach, dass er überall sei. Die Parole „The Bill Clinton Kid Is Everywhere“ macht die Runde. Eine Art regelrechter Mythos entsteht rund um Matan Even, da die Menschen sich immer mehr Fragen stellen. Wieso sind so viele Kommentare unter seinen Videos auf Hebräisch verfasst? Kommt er aus Israel? Warum tut er das? Und wofür tut er das? Niemand bekommt Antworten auf die Fragen, da Matan immer geschickt in seiner „Rolle“ bleibt und den direkten Fragen in Interviews ausweicht.

Name Ten Books – Debatten mit OF-Models

Nur einige Tage später (am 17. Dezember 2023) wird Matan Even erneut zu NeoSniperPanda eingeladen und zwar für ein Interview mit Only Fans Managern und OF-Models. In der Runde sitzen asiatische Amerikaner, die von ihren Errungenschaften im OF-Spektrum berichten. Matan bleibt in seiner Rolle, verteilt Kippas (Jarmulkas) und sagt „er sei ein Mann Gottes und könne dieses evil content nicht tolerieren“. Er sagt sogar er selbst sei Gott, was ihm das Recht gibt über alle Anwesenden im Raum zu richten. Das Gespräch besteht überwiegend aus Fragen und Gegenfragen. Matan irritiert die Interviewteilnehmer mit erfundenen Studien, Beiträgen über Benjamin Nethanjahu und mit der Theorie wie OF die homeless community in die Depression gerissen hat. Die Anwesenden nehmen alles was er sagt für bare Münze und bemerken nicht, wie sie von einem 15jährigen auf die Schippe genommen werden. Matan bleibt mit Pokerface ernst und wirkt selbstbewusst, aber auch zurückhaltend. Am Ende des Gesprächs wird es etwas hitziger, da eine der OF-Models ihm durch die Aussage „Shut Up Kid“ zeigt, dass sie ihn aufgrund seines Alters nicht respektiert. Wenig später konfrontiert die junge Frau Matan damit, dass er zu wenig mit ihnen spricht und fragt ihn nach dem Grund. Matan antwortet, dass er nicht wusste, dass er nur mit Analphabeten debattieren würde. Daraufhin antwortet das Only-Fans-Model „Ich kann lesen!“. Matan kontert „Name 10 Books“. Als sie daraufhin die Twilight-Buchreihe nennt, weißt er sie darauf hin, dass dies kein Buchtitel sei. Daraufhin nennt er ihr den richtigen Buchtitel, während sie noch verzweifelt nach dem richtigen Titel im Internet googelt. Schachmatt!!! Der Ausschnitt mit der Aufforderung „Name 10 Books“ geht derart durch die Decke, dass Matan erneut einen Hit gelandet hat und seinen Fame ausbauen kann. Ein 15 jähriger gewinnt gegen Mitte 20jährige und macht sie platt. Der Mythos und das Interesse an Matan wachsen weiter.

Einige Wochen danach (30. Dezember 2022) ist der damals noch 15 jährige noch einmal zu NeoSniperPanda eingeladen und man hat den Eindruck, dass er nicht genau weiß, was ihn erwartet. Eine OF-Content-Createrin und zwei weitere Damen sitzen ihm gegenüber. Sie sind Zwillinge und stellen sich als gläubige Muslime vor und konfrontieren Matan mit der Frage „Was ein Land korrupt macht!“. Anschließend versuchen sie immer wieder ihn zu einer Aussage oder einem Statement über den Nahost-Konflikt zu bewegen, wobei heraus kommt, dass sie ihn für einen Israeli halten (sich also nicht darüber informiert haben, dass er aus Kalifornien kommt) und seine Rolle mit seiner realen Person vollkommen durcheinander bringen. 1 zu 0 für Matan. Anschließend schimpfen sie ihn aus, werfen ihm Respektlosigkeit vor und sagen, er solle als Jude seiner Verpflichtung nachkommen und sich politisch positionieren. Matan antwortet, dass er als Jude überhaupt keinerlei Statement zum Israel-Palestina-Konflikt abgeben muss und dass er noch zu wenig weiß, um sich da einzuordnen. Prinzipiell hat man in diesem Gespräch den Eindruck, dass der Umstand, dass er Jude ist, sehr stark im Fokus steht. Beide Parteien scheinen verwirrt über den Verlauf der Debatte und Matan dunked in einem Moment der Unaufmerksamkeit auf den Kopf einer der Frauen und schreit „Champion Of The World“. Anschließend schreien sie ihn noch mehr an und fragen ihn sogar, ob er „schwul sei“. Maximaler Cringe, aus dem Matan definitiv als Sieger hervorgeht.

Bei einem erneuten Aufeinandertreffen mit OF-Models wissen die beiden jungen Frauen die er interviewt nicht, wie hoch das Durchschnittseinkommen eines US-Amerikaners ist.   

Celebrities in L.A., Kanye West, homeless community, Hasan Piker und die Landlords

Anschließend setzt sich Matan medienwirksam in unterschiedlichen Videos in Szene, um im Gespräch zu bleiben. Er stört Celebrities in Los Angeles (meistens US-Rapper oder Baskettballspieler), läuft random mit der Kamera durch L.A.s Straßen, zeigt sich verkleidet als Kanye West (ein Rapper, dem Antisemitismus nachgesagt wird), taucht bei Sneako auf und sagt, dass er der Obdachlosen-Community mit kaputten Kameras helfen will und treibt immer wieder sein Unwesen. Dabei erinnert er immer wieder an Sascha Baron Cohen, der mit seinen „stage personas“ Borat und Ali G., vor 20 Jahren etwas Ähnliches getan hat. Matans Performance und die stage Persona mit dem Akzent zeugen von einer ungeheuren Kreativität und einer unglaublichen Bereicherung für den jüdischen Humor. Er erhält Respekt dafür, dass es ihm gelingt so nah an die großen Stars zu kommen. Insbesondere scheint Matan es auf den muslimischen YouTuber und OnlineStreamer Hasan Piker alias Hasan Abi abgesehen zu haben. Bei einem Streik in L.A., tritt Matan auf mit einem Transparent auf dem „We love Landlords“ steht auf.  Hasan fühlt sich derart belästigt von dem mittlerweile 16jährigem, dass er kurz davor steht seine Fassung zu verlieren und sogar ankündigt ihn zu verdreschen. Matan postet am nächsten Tag, dass er keine Angst vor einer Auseinandersetzung hat.

Es melden sich auch viele Kritiker des 16jährigen und werfen ihm vor dem Fame hinterherzulaufen, einige bezeichnen ihn als Stalker, einige betrachten seine Aktionen als Nonsense. Er spaltet, jedoch überwiegt die Sympathie für den cleveren Matan. Die Faszination wird unter anderem durch sein Alter getragen, da er sich oftmals zurückhält und reifer verhält als die Erwachsenen, mit denen er debattiert. Meiner Meinung nach ist vor allem sein komödiantisches Talent ausschlaggebend dafür, dass er so viele Fans hat. Nicht nur hat er den typischen vollkommen unerwarteten jüdischen Humor a la Cohen (also dem Gott der Comedy), auch überzeugen der jugendliche Leichtsinn, die Schlagfertigkeit und die Spontanität, die viele Erwachsene nicht haben. Seine Kreativität und seine Art der Darbietung zeugen von einem ungeheuren Geistreichtum. In jedem Fall ist er jetzt schon die größte Bereicherung für die jüdische Community, die man in den letzten 10 Jahren mitbekommen hat.

Neuster Auftritt – Matan ändert die Rolle

In seinem neusten Video in dem er erneut einen Disput mit OF-Models hat (vom 15.07.2023) fällt Matan etwas aus seiner Rolle und wirkt aggressiver, redereicher und auch angriffslustiger. Auch der für ihn typische Akzent ist nicht mehr so hart durchgesetzt. Auf dieses Video werde ich noch einmal in einem weiteren Beitrag Bezug nehmen.

Zukunft von Matan? Wann kommt seine eigene Show?

Viele fragen sich wie es mit dem 16jährigen, der am 23.04.2007 geboren wurde, weitergeht. Während einige ihn als eine Art One-Hit-Wonder oder 15-Minutes-Of-Fame-Guy betrachten, verherrlichen ihn seine Fans als KING, als nächsten Ben Shapiro, als edelsten Juden der Weltgeschichte, als Antichristen (Unruhestifter, Rebellen) oder als Messias. Matan hat durch sein Alter viele Optionen und man könnte sich ihn in vielen Bereichen vorstellen. Schauspielerei, Comedy, als Kommentator oder als Moderator. In jedem Fall sollte Matan seine Popularität in Europa steigern, da er überwiegend nur in den USA und allerhöchstens noch in Israel bekannt ist. Schließlich vereint Humor die Menschen und besonders in einer so verrückten Zeit in der wir leben, sollte man lachen. Dabei könnte der blutjunge Internetstar alles machen. Und dabei wünschen ihm, seine Fans, in jedem Fall viel Erfolg und Glück…

Andrew Tate auf dem Siegeszug

Seit einigen Jahren bereits ist das Phänomen der toxischen Männlichkeit sehr populär unter den Jugendlichen der Generation Z. Vor allem Andrew Tate, ein ehemaliger Kickboxer, der momentan in Rumänen lebt, hat diese Einstellung gegenüber Frauen als eine Bewegung ausgelöst und sich selbst zum Sprachrohr ernannt. Seitdem propagiert er seine „Philosophie“ und badet sich in der Anerkennung durch seine extrem jungen Fans.

Seine Bewunderer sind in der Regel zwischen 12 und maximal 28 Jahren alt und sie alle sind fasziniert vom Lifestyle und vom Erfolg des 1,90m großen muskulösen Machos. Prinzipiell fordert Tate Männer dazu auf die totale Männlichkeit zu leben, jede Form von Schwäche und homosexuellen Zügen zu vermeiden und Frauen auf keinen Fall zu viele Freiheiten zu gewähren. Vor allem spricht er sich gegen Feminismus aus und erklärt der Woke-und Diversity-Bewegung den Kampf an.

Doch wieso ist er damit gerade jetzt so erfolgreich? Was steckt hinter dem Phänomen Andrew Tate?

Die Ursachen liegen wie immer in den gegenwärtigen und alten Strömungen zurück. Tate selbst ist ein Millenial (Jahrgang 1986) und hat genau wie ich, den Wandel in den 90er Jahren hautnah erlebt. Damals kam es zu einem Wandel der Rollenbilder von Mann und Frau, u.a. haben sich Männer zu „Frauenverstehern“ entwickelt. Männer und Frauen haben sich mehr den je als gleichwertige Partner verstanden, d.h. Männer hatten nicht einmal mehr ein Problem damit die Kindererziehung zu übernehmen oder damit, dass ihre Partnerin mehr Geld verdient sie selbst. Männer haben Frauen damals alles gegeben und sich sogar mit ihnen und der Frauenbewegung der 90er Jahre solidarisiert. Das Machotum der 80er Jahre, das vor allem in der Heavy Metal Szene und dort insbesondere im Hairmetal seinen Höhepunkt erreicht hat, wurde von den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Anschlussjahrzehnts (damalige Xennials, Millenials und vor allem von der Generation X) komplett abgelehnt. Die Jugend wollte nicht mehr diese Poser sehen, die sich mit Models zeigen, die mit ihren sexuellen Praktiken prahlen oder die ihre teuren Limousinen zeigen. Eine längere Zeit über hatte sich dieser Wandel gehalten und wurde durch den Siegeszug des Hip Hop Anfang der 2000er Jahre gesprengt. Seither gab es immer wieder Extreme, die nebeneinander her lebten. Während in der Ganster-Rap-Szene der „Generation Porno“ (00er-Jahre) die Machokultur abgefeiert wurde (Frauen als Sexobjekte sehen, Sexprotzt sein usw.), gab es auf der anderen Seite auch diejenigen, die das Gegenteil lebten (u.a. innerhalb der Emobewegung und unter den Fans von Schmusesängern wie James Blunt).  Tate hat all dies mitbekommen und übt deutliche Kritik an der „Verweichlichung“ der Männer, die die 90er Jahre brachte. Er sagt entgegen der modernen Einstellung, dass Frauen und Männer von Geburt an anders und das diese genetischen Unterschiede unumkehrbar sind. Egal wie sehr sich die Frauen auch emanzipieren und in die von Männern dominierte Welt gehen, werden sie immer das schwächere Geschlecht bleiben.

Soziologen und Psychologen haben sich das Phänomen Andrew Tate genauer angeschaut und sehen sein Vorgehen als eine Gegenreaktion auf die sich ständig verändernden Geschlechterrollen, die sich aus seiner Sicht zu stark zugunsten der Frauen und zu sehr zum Nachteil der Männer entwickelt. Dieser Verschiebung der Machtverhältnisse wollen Tate und seine Anhänger Einhalt gebieten. Frauen fordern immer mehr Rechte ein und das scheint den Männern zu missfallen, da sie nun immer mehr in der Politik dominieren und mehr in Führungspositionen vorzufinden sind. Auch sehen die Soziologen diese neue Strömung der demonstrierten toxischen Männlichkeit als eine Art „Rache“ einiger Männer an den Frauen. Experten sagen, dass eine Ursache für Tates Erfolg, der Umstand ist, dass Frauen die Machtkarte ausspielen Männern den sexuellen Akt zu verweigern oder das sie beruflich und materiell so unabhängig werden können, dass sie auf einen Mann als „Ernährer oder Ersatzvater“ vollkommen verzichten können. Das missfällt den Männern, die Frauen mit Statussymbolen beeindrucken wollen und denjenigen, die Schwierigkeiten haben eine Freundin zu bekommen (Langzeitsingles). Tate erklärt diesen Männern, wie sie erfolgreich werden können und somit sexuelle Potenz und absolute Macht demonstrieren können. Dies sind archaische Eigenschaften, die viele Männer sich wünschen und sie sind so verzweifelt, dass sie glauben mithilfe von Tates Ratschlägen diese Ziele erreichen zu können.

Selbstverständlich ist seine Art der Inszenierung unter anderem derart erfolgreich, da die Woke-Bewegung existiert und Woke die Gesellschaft immer mehr spaltet. Die Forderungen dieser Welle sind zu erzwungen, zu gekünstelt und werden zu militant umgesetzt. Deshalb wenden sich die Menschen von den Veränderungsforderungen ab und besinnen sich auf traditionellere Werte. Auch die Bitchboss-Frauen a la Shirin David und Katja Karasavice sowie der gesamte Only-Fans-Models Hype, die sich allesamt als neuste Auflage des Feminismus verstehen, spielen diesen Männern in die Karten. Schließlich sind die Aussagen dieser meist ungebildeten Frauen oftmals derart widersprüchlich und grotesk, dass die Tate-Anhänger sich in ihren Aussagen bestätigt fühlen und alle Frauen auf das Level der OF-Models setzen. Diese Frauen inszenieren sich als eine Art „Dummchen“ und reduzieren sich vollkommen auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Ein Umstand den sich die toxischen Männlichkeitsverfechter zunutze machen. Nicht nur die Tate-Fans empfinden diese Art des Feminismus als eigenartig und widersprüchlich. Es gibt auch Frauen, die diese Form von Frauenpower als eine Art Rückschritt betrachten, da die neuen Feministinnen sich eher dazu entscheiden sich nackt im Internet zu präsentieren, anstatt einer normalen Tätigkeit nachzugehen.  

Er spricht an, was viele sich nicht trauen und da Tate die Medien kennt, weiß er, dass sich Kontroversen und provokative Aussagen besser verkaufen als wenn man sich in der Mitte positioniert. Tate ist ein sehr cleverer Geschäftsmann und weiß genau was er tut und was er durch sein dominantes Auftreten und seine provokanten Aussagen bewirkt. Er setzt seine Statussymbole und seinen Lifestyle ein, um Leute zu beeindrucken, was insbesondere in einem kapitalistischen und materialistischen Land wie den USA sowie in bestimmten Milieus in Europa funktioniert.

Zudem bringen seine Aussagen hohe Klickzahlen und Quoten und bestärken ihn in seinem Ego. Tate weiß um das Medienecho, welches ihn noch mehr in den Olymp eines untastbaren Anführers und Gottes katapultiert. Zu seinen Anhängern gehören u.a. deutsche und Us-amerikanische Rapper sowie der Streamer Adin Ross. Tate, der meistens 10 bis 20 Jahre älter als seine Fans ist, wird von ihnen als eine Art Ziehvater und Rolemodel betrachtet. Zwar weiß er, dass seine Clips und sein Stardom auch von Kritikern getragen werden, jedoch stört es ihn nicht, da er diese Reibung miteinkalkuliert hat. Denn jeder weiß, dass es keine negative PR gibt und dementsprechend schauen sich auch Menschen, die seinen Aussagen nicht zustimmen, seinen Content an.

Ich persönlich finde nicht, dass Andrew Tate eine große Gefahr in einem größeren Kontext darstellt. Jedoch macht mir die Reihweite seines Einflusses ein wenig Angst. Schließlich ist er als Influencer der Gen Z in dem Sinne toxisch, da diese Jungs irgendwann zu Männern reifen und bereits seit Kindertagen Tates Parolen ausgesetzt sind. Historisch und popkulturell betrachtet ist Tate nur ein weiterer Mann, der dem Machotum für einen kurzen Zeitraum Aufschwung gibt und dann wieder von einem anderen Anführer abgelöst wird. Davor hießen die Machos Jagger, Bohlen und Marlon Brando. Es gab vor ihm immer wieder Machos, die die Jugendlichen zu mehr Männlichkeit beeinflusst haben. In der jüngsten Vergangenheit waren es Buschido und Sido im deutschen Raum oder auch US-amerikanische Rapper in den USA, die immer wieder und konstant ein negatives Frauenbild vermittelt haben. Eine derartige Aufregung verstehe ich vor dem Hintergrund, dass ständig Strömungen kommen und gehen nicht. Dieser Prozess ist eine Wechselwirkung. Die Machokultur wird u.a. auch in der Familie geprägt und dementsprechend suchen sich diejenigen, die mit dem Machosein aufgewachsen sind, einen Tate zum Vorbild aus. Nur die wenigsten werden allein durch Tate zu einem Frauenfeind. Schließlich spielt vor allem die Peer-group eine zentrale Schlüsselrolle in der Sozialisation und Adoleszenz und man kann nicht an allem die Medien oder Figuren aus den Medien die Schuld zuschieben. Schließlich haben Millionen Jugendliche über Jahrzehnte Rockbands gehört, deren Bandmitglieder Drogen verherrlicht haben und nur ein Bruchteil von ihnen hat eine Drogenkarriere eingeschlagen. Allein das Anschauen von Tates Clips macht einen Jugendlichen nicht automatisch zum Frauenhasser, auch wenn ich mir darüber bewusst bin, dass das Internet mehr Einfluss ausübt durch die ständige Verfügung als es die Medien vor 20 Jahren getan haben.

Vielmehr spielen Strömungen wie Woke, der momentane Trend zum konservativen Lager sowie Berufung auf Traditionen, da die Welt immer mehr auseinander zu driften scheint. Weiter sind Sozialisation, Bildung, Peer-Group und die Werte und Normen innerhalb der Erziehung entscheidend. Die Solidarität unter den Männern, die bei den Frauen seltener anzutreffen ist, trägt ebenfalls dazu bei, dass diese Bewegung so erfolgreich ist.

Das Thema ist sehr schwierig und ich persönlich lehne selbstverständlich diese Form der Einstellung gegenüber von Frauen ab. Viele Frauen solidarisieren sich mit Männern wie Tate, ohne zu merken, dass sie am Ende nicht von ihnen akzeptiert werden und er sich dann auch gegen die Frauen, die sich mit ihm solidarisieren gegen die Frauen stellen kann.

Jedoch haben diese Videos (vor allem Tate und Adin Ross) einen sehr hohen Unterhaltungswert. Persönlich gebe ich den Anhängern von Tate den Ratschlag, dass sie Frauen akzeptieren und sich nicht von diesen Parolen beeindrucken lassen sollen. Nur ein bestimmter Typ von Frauen sind von Männern wie Tate fasziniert. Die meisten Frauen ziehen einen Mann mit Humor, Intelligenz und einem guten Charakter vor, anstatt sich von Muskelmasse, Bugattis oder sexueller Prahlerei beeindrucken zu lassen.

AMEN

(Ich verwende nur das Wort Amen, weil ich damit sagen will, dass der letzte Abschnitt eine Wahrheit enthält, wie die Bibel sie vorgibt zu haben).

Gen Z – Leben sie Faulheit oder fordern sie Freiheit?

Bereits vor einigen Monaten hatte ich ausführlich über das Thema „Generationenunterschiede“ geschrieben. In meinem damaligen Artikel kam ich zu dem Ergebnis, dass alle Generationen etwas gemeinsam haben und zwar in der Hinsicht, dass sie verschiedene Phasen durchlaufen (rebellisch, weise und konservativ) und das es dabei wer man als Person ist nur bedingt davon abhängt, welcher Generation man letztlich angehört.

Soziologen und Psychologen beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Generationskonflikten und Unterschieden, allen voran der Soziologe Klaus Hurrelmann. Dabei liegt der Schwerpunkt der Forschung in der Analyse des Arbeitsverhaltens sowie der Einstellung der einzelnen Generationen zur Arbeit, mit dem Ziel daraus wichtige Erkenntnisse für die Wirtschaft und Politik zu generieren.

Während die Generation Y als die Generation Praktikum und als die Orientierungslosen beschimpft wurde, wird der neuen Generation Z nun das Prädikat Faulheit zugewiesen. Ihnen wird nachgesagt, sie seien zu viel in den social media aktiv und würden sich eher auf ihr eigenes Wohlbefinden und ihr persönliches Glück fokussieren. Selbstverwirklichung, Persönlichkeitsentwicklung und die private Zufriedenheit bilden die Ziele dieser neuen Generation, die nun allesamt in den Arbeitsmarkt integriert werden soll. In den ganzen Debatten, die in den TV-Studios und Online ausgetragen werden, wird mit dem Zeigefinger auf diese Generation gezeigt und eine Panikmache darüber angetrieben, dass sie unsere Gesellschaft mit ihrer miesen Arbeitsmoral nicht tragen kann. Nach der eingehenden Sichtung dieser hitzigen Auseinandersetzungen bin ich persönlich zu dem folgenden Ergebnis gekommen.

Zunächst einmal, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wieso diese Generation genau diese Einstellung zur Arbeit entwickelt hat. Zunächst einmal gehören die Eltern der Gen-Zter den Generationen X (geboren zwischen 1964 und 1979) und Y (geboren zwischen 1980 und 1995) an. Auch diesen beiden Elterngenerationen wurden damals von Seiten der Boomer (geboren zwischen 1945 und 1964) Faulheit und Ziellosigkeit vorgeworfen. Und das vor dem Hintergrund, dass die Boomer nur das Glück hatten in die Zeit des Wirtschaftswunders bzw. des Aufschwungs geboren worden zu sein. Dementsprechend konnten die Boomer sich über die Köpfe derer erheben, die nicht das Geburtsglück hatten in diese glorreiche Zeit hineingeboren worden zu sein und merkten niemals, dass sie die Jobs längst für sich beansprucht bzw. blockierten haben und dass sich der Arbeitsmarkt seitdem sie in die Arbeitswelt gingen stark verändert hat. Und nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das Werte- und Normsystem haben sich weiterentwickelt. Die gesamte Gesellschaft ist heterogener und pluralistischer geworden, d.h. das sich viele feste Systeme wie religiöse Gemeinschaften oder regionale Verbindungen aufgelöst haben. Daraus resultiert im Umkehrschluss, dass nun das Individuum und die Autonomie des Einzelnen den Fokus des Lebens und das Lebengefühl der kommenden Generationen bestimmen.

Das 21. Jahrhundert hat viele Menschen in eine Welt voller Freiheiten der Auswahlmöglichkeiten hineingeworfen, ohne dass man ihnen dafür eine Anweisung zur Hand gegeben hat. Jeder muss quasi selbst herausfinden, wer oder was er ist bzw. wer oder was er später einmal sein möchte. Die gesamte Orientieurngsphase verläuft nunmehr bis in die späten 20er Lebensjahre. Diese Umstrukturierung der Lebensphasen hat viele Folgen für die Gesellschaft und auf das einzelne Individuum. Beispielsweise gehen viele junge Menschen später arbeiten oder haben in ihren 20er Jahren vielmehr Freizeit und können somit auch der Selbstverwirklichung nachgehen. Bei dieser längeren Identitäts- und Sinnsuche spielen die Erziehung und die Normvorstellungen des Elternhauses eine eher untergeordnetere Rolle, vielmehr prägen die Komplexität und die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Gesellschaft und des Systems in das man geboren wird und in dem man leben muss die entscheidene Schlüsselrolle. Das zeigt vor allem die Tatsache, dass die Einstellung zur Arbeit an kein bestimmtes Milieu oder an den religiösen oder ethnischen Hintergrund gebunden ist. Vielmehr sind diese kollektiven Zielbewegungen eine Art Ausdruck von gesellschaftlicher Spiegelung. Und zwar jener Gesellschaft, die die vorherigen Generationen für die Genaration Z mit aufgebaut hat. Deshalb können diese sowie alle folgenden Generationen nur so wachsen, die es der Nährboden auf dem sie fußt zulässt. Die Generation Z reagiert nur auf die Umwelteinflüsse und die politischen Verhältnisse, die sie umgibt und die ihre Eltern und Großelterngeneration vererbt hat. Beispielsweise ist das Umweltengagement Ausdruck der Versäumnisse der Vorgenerationen.  

Nach dieser Ursachenanalyse meinerseits komme ich zurück zum Thema. Jedoch habe ich als alleinerziehende Mutter wenig Zeit und deshalb schreibe ich den Artikel in der nächsten Woche zu Ende.

Bis dann Eure Martha

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