Es ist das Jahr 1993 als eine meiner damaligen besten Freundinnen namens Nadja aufgeregt mit einer Bildzeitung in ihrer Hand die Klasse kommt und schreit „Der King ist wegen Kindesmissbrauch angezeigt!“ Aus unserer Klasse sind damals nur Nadja und Fans von Michael Jackson und werden schon vor dieser Meldung damit aufgezogen Anhänger von „wacko Jacko“ zu sein. Für uns war diese Mitteillung wie Gift und eine Welt brach für uns (beide damals 11 Jahre alt) dadurch zusammen. Wir glaubten diesen Vorwürfen als Fans selbstverständlich nicht, da erstens die Unschuldsvermutung vorliegt und zweitens, weil wir von Jacksons Unschuld überzeugt waren. Anschließend strahlten Nachrichtensender ein Interview des King Of Pop aus, in dem der damals 34 jährige den Tränen nahe berichtete, wie man ihn inhaftiert und auf merkwürdige Weise untersucht hatte. Jacksons Karriere verlief nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen bergab. Von dem Skandal und dem Shitstorm, der nun startete, sollte sich das Wunderkind aus Gary/Indiana bis zu seinem Tod nie mehr erholen.
Zurück zum Fall. Ein Junge, der mehrere Monate bei Jacko auf der Neverlandranch gelebt hatte, warf dem erfolgreichsten Sänger aller Zeiten vor, ihn sexuell missbraucht zu haben. Jackson sah nur einen Ausweg. Er zahlte der Familie eine Abfindung, damit diese die Klage fallen läßt und der Fall somit auch nie vor Gericht kommt. Auf diesem Wege wollte Jackson Stress vermeiden und sein Ansehen retten. Während einige das Zahlen der Abfindung als ein Schuldeingeständnis Jackos deuteten, sahen andere den Umstand, dass die Eltern das Geld annahmen, als ein Indiz dafür an, dass an den Vorwürfen nichts dran war.
Doch das Image des einstigen Kinderstars war nun angeknackst, was sich vor allem auf die Verkaufszahlen auswirkte. Das Studioalbum DANGEROUS, dass 1993 erschienen war (im selben Jahr wie die Anschuldigungen), konnte nicht mehr an die Verkaufszahlen der Vorgängeralben BAD und THRILLER herankommen. Dabei waren Hits wie „Black and White“, „Heal the world“, „Will you be there“, „Remember the time“, „Give into me“ und „Who is it“ auf dem von Teddy Riley produziertem RnB-Album drauf. Andere sagten, dass der Skandal nicht die Hauptursache für die sinkenden Verkaufszahlen war. Jackson sei nicht mehr zeitgemäß und es würde aus der Blackcommunity mit neuen RnB-Stars wie R.Kelly oder Boyz II Men zuviel Konkurrenz geben. Immerhin verkauften sich 30 Millionen Exemplare von „Dangerous“ und die Tournee war restlos ausverkauft und damit trotz der Negativpresse ein Wahnsinnserfolg.
Jackson heiratete im wenig später (im Jahr 1995) die Elvis-Tochter Lisa Marie Prestley. Im selben Jahr in dem sein Studiodoppelalbum HISTORY veröffentlicht wurde. Viele sahen darin eine Strategie Jacksons, da lange über seine sexuelle Orientierung spekuliert wurde. War er hetero-, homo- oder asexuell? Andere waren noch immer von seinen pädophilen Neigungen überzeugt und betrachteten die Ehe als Versuch, diesen und den Gerüchten um Homosexualität Einhalt zu gebieten. Das Album konnte sich sehen lassen, da sich u.a. Hits wie „Earth Song“ oder „They dont care about us“ auf dem Album befanden. Trotzdem spotteten viele erneut über den einstigen Liebling der Popwelt und zwar sowohl über seine Ehe, die als Fake bezeichnet wurde als auch über sein Album. „Der King ist history!“ schrieben einige spöttisch. Und trotzdem. Das Album war immer noch erfolgreicher als alles was Montell Jordon, R.Kelly oder KC & Jojo je veröffentlicht haben.
Jackson zog sich nach der dreijährigen Welttournee zurück und veröffentlichte nur noch ein weiteres Studioalbum im Jahr 2003. Vollkommen überraschend heiratete Jackson im Jahr 1998 eine Krankenschwester namens Debbie Rowe, nachdem er sich von Lisa Marie geschieden hatte. Mittels künstlicher Befruchtung, gebar Debbie Jacksons erstgeborenen Michael Prince Jackson Junior und seine Tochter Paris Jackson. Ein langer Rückzug ins Familienleben folgte. Jackson wollte sich auf die Vaterrolle konzentrieren und zur Ruhe kommen. Die einzigen Negativschlagzeilen in der Zeit waren, dass „Jacksons Kinder nicht seine leiblichen seien“ und „die Ehe zwischen ihm und Debbie Rowe ein Fake sei!“. Die Gesichter seiner Kinder versteckte er unter Masken, jedoch konnte man erkennen, dass sie kaukasisch waren. Es wurde nach dem Album History und den Schlagzeilen, um seine neue Rolle als Vater tatsächlich still um den begnadeten Tänzer. Der Skandal von 1993 war fast vergessen. Alles war ruhig.
Das änderte sich schlagartig als Michael samt Familie im Jahr 2003 Germany besuchte. Erst legte er den Berliner Verkehr, den Flughafen und den Zoo lahm. Am einem Morgen dann, hielt Jackson euphorisiert seinen Säugling Michael Prince Junior II, genannt Blanket, aus dem Berliner Hotel Adlon. Zu dem Zeitpunkt war nur den Wenigsten bekannt, dass der King Of Pop ein weiteres Kind hat. Schlagzeilen über seinen geistigen Zustand und um Kindeswohlgefährdung entbrannten nach der Ausstrahlung der Bilder, die seine Fans festgehalten haben und die, die Presse mitfilmte. Erneut wurde Jackson, der schon lange von vielen für „bala bala“ erklärt wurde, kritisiert. Sein jüngster Sohn (bei dem Vorfall ein 8 Monate altes Baby) stammte von einer anonymen Leihmutter mit mexikanischen Wurzeln, wobei Jackson wiedersprüchliche Angaben zu der Beziehung zu dieser unbekannten Frau machte. Die Ehe mit Debbie Rowe war längst geschieden und in einiges Interviews sagte Michael, er sei mit der anonymen Mexikanerin liiert gewesen.
Nur wenige Wochen nach diesem Vorfall erschien eine Dokumentation mit dem Namen „Living with Michael Jackson“. Martin Bashir, der britische Journalist, der bekannt wurde als er das berühmte Lady Diana Interview im Jahr 1995 führte, hatte diese Reportage gedreht. Michael, der als Lady Diana Fan ein regelrechter Verehrer Bashirs war, lud den Briten mit dunkler Haut und pakistanischen Wurzeln, für Monate auf seine Ranch ein. Dies tat der scheue Moonwalk-Erfinder sonst nie und setzte alle Hoffnungen in die Dokumentation, um sein Image und die Vorkommnisse von 1993 richtigzustellen. Bashir, plante jedoch Geständnisse aus Jackson herauszuquetschen, u.a. über seine Hautfarbe, über seine OPs sowie über seine sexuelle Orientierung. Er hatte andere Ziele mit der Dokumentation verfolgt als Jackson. Michael beantwortete ihm die Fragen zu seiner Sexualität, seiner Hautfarbe und seiner angeblichen OP-Sucht nicht. Anschließend drehte Bashir den Spieß um und schickte Jackson regelrecht in eine Art Kreuzverhör, in dessen Verlauf Jackson mehrmals geflunkert hatte (Beispiel „Ich hatte nur zwei Nasen-OPs“ oder „Meine Hautfarbe ist einfach weiss geworden!“). Dadurch war Jacksons Glaubwürdigkeit ruiniert. Insgesamt stellte Bashir Jacko als psychisch unzurechnungsfähigen, Pädophilen und als Rassisten dar, da er ihm vorwarf nur Kinder von weissen Frauen gebären zu lassen. Der Journalist ist selbst dunkelhäutig und wollte unbedingt mehr zum Wandel von Michael Jackson und dem Geheimnis rund um seine Hautfarbe erfahren. Jackson ließ seine Maske nicht fallen und erhielt als Dank für sein Vertrauen und seine Gastfreundschaft gegenüber einen Denkzettel, der ihn seelisch kaputt gemacht hat.
Doch der größte Skandal an Baschirs-Report war der Umstand, dass der damals 43 jährige Jackson vor den Kameras zugab mit Kindern in einem Bett zu schlafen. Er fügte jedoch hinzu, dass nichts Sexuelles im Spiel sei und das selbst Quincy Jones oder Stevie Wonder ihren Kindern erlauben würden mit ihm in einem Bett zu schlafen. Nach der Ausstrahlung der Dokumentation folgten ein Shitstorm, viele Kritik, viel Spott und es kam sogar zu Anzeigen gegen den King Of Pop. Die Popwelt stand unter Schock und auch wir Fans. Ich wusste nicht wie ich mit dieser Information umgehen sollte, dass Jackson sowas tat. Ich hatte jedoch eine Erklärung dafür. Wahrscheinlich spielte sich tatsächlich nichts Sexuelles ab und er war so naiv und hatte es einfach gesagt, ohne die Konsequenzen zu wissen. Das er so eine Info in die Welt warf und glaubte, dass dies konsequenzfrei bleiben würde, bestätigte mich in meinem Glauben daran, dass Michael in seiner eigenen Welt lebte und nie wirklich erwachsen geworden war. Ich war dennoch weiterhin von seiner Unschuld pädophil zu sein überzeugt.
Die Ausstrahlung von Bashirs Dokumentation hatte wie bereits erwähnt weitreichendere Folgen als den reinen Imageschaden. Die Staatsanwaltschaft von L.A. erhob Anklage gegen Jackson. Zunächst klagten lediglich zwei Jungen. Anschließend folgten mehr als 50 weitere Kinder. Jackson wurde zunächst inhaftiert, auf Kaution wieder freigelassen und anschließend in mehr als 200 Anklagepunkten angeklagt. Die Ranch wurde geschlossen und von Oben bis unten auf Jacksons Spermaspuren sowie weiteres Beweismaterial durchsucht. Es meldeten sich rund 50 Kinder, die angaben von Jackson missbraucht worden zu sein.
Ein monatelanger Prozess vor Gericht begann, der Jacksons Vermögen aufraß und seine Seele gleich mit. Jackson magerte während des Prozesses auf 50Kilo bei 1’77m ab, als täglich aus dem Gerichtssaal berichtet wurde und wir Fans seinen Verfall live miterlebten. Ein regelrechter Medienzirkus wurde in Los Angeles veranstaltet. In der Anklage hieß es: Jackson habe den Kindern Wein gegeben, sie dann gestreichelt und sich dann vor ihnen befriedigt haben. Doch es gab keinen einzigen Beweis. Keine Spermaspuren, nichts. Die Eltern und Kinder verwickelten sich in Widersprüche und einige forderten während des Prozesses sogar Geld von Jackson. Doch Michael ließ nicht locker und wollte vor Gericht, um endgültig seine Unschuld zu beweisen. Dann die gute Nachricht. Jacko hatte gewonnen. Doch selbst als er in allen 200 Anklagepunkten freigesprochen wurde, sah man ihn nicht triumphierend aus dem Gerichtssaal schreiten. Man sah einen gebrochenen Mann, den Tränen nahe, der nur froh war, dass das Matyrium vorbei war und der mit letzter Kraft sein Victoryzeichen in die Kameras hielt. Das war für uns Fans ein Indiz für seine Unschuld.
Jackson sollte sich von den Prozesskosten, dem Imageschaden und den seeelischen Folgen nie erholen. Er flüchtete erst nach Vegas, dann in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Neverlandranch blieb geschlossen. Auf Bildern wirkte das einst prunkvolle Anwesen wie ein Gruselkabinett oder eine Art „Lost Place“.
Nur 5 Jahre später verstarb der einstige Strahlemann, als er den Versuch eines Comebacks unternahm und noch vor einem der ersten Konzerte an Herzversagen (ausgelöst durch Propophol) verstarb. Jackson konnte ohne dieses Betäubungsmittel nicht mehr einschlafen. Zuletzt bestand er nur noch aus Haut und Knochen und war ein gebrochener Mann, dessen Lächeln nahezu aus dem Gesicht verschwunden war. Bei der Ankündigung seiner Tour „This Is It“ wirkte er noch so fröhlich und happy. Voller Vorfreude und Tatendrang. Die Tour sollte Geld in die Kasse des spendablen (33% seines Vermögens hatte er nach Afrika, für arme Kinder und die HIV-Stiftungen gespendet) Sängers und Wohltäters spülen, der an eine bessere Welt glaubte und sich stets für humanitäre Zwecke einsetzte. Er stand sogar im Guinessbuch der Rekorde, da er der einzige prominente Mensch auf Welt ist, der mehr als ein Drittel seines Vermögens an wohltättige Zwecke gespendet hat. Auch der Klimaschutz und das Aussterben bedrohter Meerestiere und afrikanischer Tiere lag dem Afroamerikaner am Herzen. Dann sein unerwarteter Tod. Das traurige Ende, eines Mannes, der womöglich vollkommen zu Unrecht beschuldigt wurde und dem nie auch nur ein einziges Vergehen nachgewiesen werden konnte.
Sein Tod ließ sein musikalisches Vermächtnis dennoch noch einmal aufleben. Es war von dem Skandal unberührt geblieben. Die ganze Welt feierte Michael Jackson zwei Wochen lang, bis zu seiner Trauerfeier. Bei der Zeremonie trat seine Tochter vor das Mikrophon und sagte unter Tränen „Daddy war der beste Vater, den man sich nur vorstellen kann. Und ich will einfach nur das sagen, dass ich ihn so sehr liebe!“ Endlich sah die Welt Jackson so wie ich und viele Fans ihn sahen, als Paris uns Michael durch ihre Augen sehen ließ. Konnte ein so guter Vater, Wohltäter und in-sich-gekehrter sensibler Mann ein Monster sein, dass Kinder missbraucht? Würden prominente ihre Kinder zu ihm schicken und ihn weiter unterstützen, wenn dies der Fall wäre? Nein.
Jackson hatte nur einen Fehler in seinem Leben gemacht. Durch seine Naivität und Gutgläubigkeit und seine eigene zerbrochene Kindheit, wollte er von Kindern umgeben sein. Das wurde ihm zum Verhängnis. Das traurige war, ist und bleibt, dass er trotz Freispruchs für viele weiterhin der Pädophile geblieben ist. Ruhe in Frieden Michael… Wir vermissen dich, deine Musik, deinen Einsatz für diese Welt und wir hoffen du hast deinen Frieden gefunden.
Der Fall wiederholte sich. RKelly, der King Of RnB und Sexsymbol, wurde ebenfalls wegen Sex mit Minderjährigen angeklagt und zwar bereits 1999 das erste mal. Auch ich war ein Riesen RKelly-Fan und verstand wie bei Jackson die Welt nicht mehr. Ich hielt zu ihm, auch wenn die Beweislage erdrückend war. Der Bulls Fan, der aus Chicago stammt und der durch den Titelsong I believe I can fly zum Michael Jordon Film Space Jam international bekannt wurde, wurde beim ersten Prozess freigesprochen. Doch er änderte sein Verhalten nicht und hatte einfach zu viele Frauen um sich. Mehrere Dutzend Frauen zeigten ihn erneut um 2015 herum an, darunter auch seine ExFrau Andrea. Kelly wurde diesesmal schuldig gesprochen und büßt seine Haftstrafe bis jetzt ab.
Im Fall RKelly bin ich schockiert, da er tatsächlich verurteilt wurde, was mich vermuten lässt, dass etwas an den Anschuldigungen wahr sein musste. Doch der Rachefeldzug seiner ExFrau hat immer einen eigenartigen Beigeschmack gehabt, genau wie RKellys Betragen in einigen Interviews, in denen er angeblich nicht wusste, was ein Teenager sei.
2018. Harvey Weinstein steht unter Anklage. Er soll mehrere Frauen sexuell belästigt und missbraucht haben. Rose McGowan (eine Ex von Manson) klagt Weinstein an, gefolgt von Mira Survino und Dutzenden anderen zweitklassigen Filmsternchen. Eine neue Bewegung wird ins Leben gerufen #metoo, was soviel bedeutet wie #ichauch. Frauen, die ebenfalls Opfer sexueller Vergehen sind, sollen dadruch ausdrücken, dass auch sie Betroffene sind. Lange Rede kurzer Sinn. Die Fälle Weinsteins, die 1995 und 2000 zurückliegen, kommen vor Gericht. Er wird verurteilt, was ich gut finde, da er sich wohl wirklich hatte was zu Schulden kommen lassen.
Was danach geschieht, grenzt jedoch an einen Wahnsinn, den man nicht mehr nachvollziehen kann. Metoo verkommt zu einer regelrechten Farce. Billy Cosby wird von 200 Frauen angeklagt, Fälle die sich zwischen 1978 bis 1990 ereignet haben sollen. Kevin Spacy folgt. Er verliert alle Rollen und Werbeverträge. Er woll junge Männer sexuell belästigt und zu Fellatio in Saunas gezwungen haben. Wieder melden sich Dutzende Betroffene. Es folgt Cuba Gudding Jr. und alle sind metoo-müde. Es wird lächerlich, als sich auf einmal Frauen unter dem Hashtag metoo melden, die einmal an die Brust gefasst wurden.
Durch die Fülle der Klagen, den Jahrezehnte zurückliegenden Fällen, den Laplien wie „mir wurde auf die Brüste gestarrt“ verkommt metoo zu einem Witz. Wer weiss jetzt noch was wahr und was gelogen ist? Wie unterscheidet man jetzt tatsächliche Opfer von sexuellem Missbrauch von Trittbrettfahrerinnen, die ihre 15minutes of fame wollen? Man kann doch eine Frau der an den Po in der Kneipe gefasst wurde nicht in einen Topf mit einer Frau fassen die vergewaltigt wurde!!! Metoo hat einen Beitrag dazu geleistet, dass man nun Opfern nicht mehr so schnell glaubt oder das eine Abgestumpftheit kommt, sobald eine neue Meldung von Missbrauchsvorwürfen erscheint. Denn metoo hat gezeigt, wie viele Frauen einfach spontan auf den Zug, der zum Trend mutiert ist, aufgesprungen sind und nun mit Büchern und Interviews Geld verdienen. Wer ist jetzt Opfer und wer nur die rachesüchtige ExFreundin? Der Leser und Zuschauer ist irritiert.
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