Es ist Vatertag 2021 und gerade einmal 8.15Uhr morgens. Ich reibe mir meinen Schlaf aus den Augen, strecke meinen in die Jahre gekommenen Körper und genieße meinen Kaffee aus dem Starbucks-Thermobecher. Ich setzte mich auf die Couch, schalte den Fernseher ein und kann nicht fassen was ich sehe. Der gewaltige Shaquile O’Neal smiled mich verkleidet als Genie mit einem Ghettoblaster in der Hand bewaffnet an. Ich kriege den Schock meines Lebens und habe das Gefühl, dass ich Wodka brauche. Zum allerersten mal sehe ich den Film.
Sofort weiß ich was gespielt wird, da ich viel im Internet über den Film, der mir hier zum Frühstück dargeboten wird, gelesen hatte. Es handelt sich eindeutig um den Film mit dem Titel „Kazaam“. Eigentlich nichts besonderes. Jedoch gibt es für mich ein Problem. Der Film existiert nicht meiner Erinnerung und das obwohl er für die meisten in der Erinnerung zu existieren scheint. Weder Filmplakat, noch die Darsteller. Nichts davon existiert in meiner Erinnerung.
Warum das so ist, kann ich euch sagen. Bei Kazaam handelt es sich um einen so genannten Mandela-Effekt. Für diejenigen unter euch, die nicht wissen, was das ist: Bei dem Mandela-Effekt handelt es sich um ein Phänomen des falschen kollektiven Erinnerungsvermögens. Beispiel: Millionen (fast 50% der Menschheit) erinnern sich daran, dass der Monopoly-Mann einen Monokel trägt. Fakt ist: Er hat ihn nicht und hatte auch nie einen Monokel getragen.
Der Mandela-Effekt wurde von Fiona Broome auf einer Messe 2013 entdeckt, als sie festgestellt hat, dass sie und viele andere Menschen dachten, Mandela sei bereits Ende der 80er im Gefängnis verstorben und nicht erst 2013. Sie eröffnete einen Blog und es meldeten sich Millionen Menschen, die ein und dieseelbe Erinnerung an Mandelas Tod und das ganze Begräbnis hatten. Tausende andere Mandeaeffekte werden seither gesammelt und dokumentiert.
Soweit sogut. Als Ursachen des Mandela-Effektes gelten.
- Es handelt sich einfach nur um eine falsche Erinnerung.
- Die falschen Erinnerungen kommen durch Überlappungen mit Paralelluniversen zustande, bei denen die Erinnerungen zwischen zwei bis vier Universen vertauscht wurden.
- Die Regierung macht quantenphysische Experimente mit uns. Das Resultat sind Veränderungen in unserer Welt.
- Als der Maya-Kalender endete, wurde unsere Welt tatsächlich zerstört. Im Jahr 3000 wurde sie wiederhergestellt und beinhaltet Fehler. Das heißt wir Leben in einer Art Matrix oder Kopie der Welt vor 2012. Unsere Erinnerungen an die alte Welt sind noch da.
Ich bin Anhänger der zweiten Theorie und bin damit nicht allein, da selbst Stephan Hawking von Multiversen und Überlappungen überzeugt war.
Ständig leide ich unter dem Mandela-Effekt. Ob JC Penny vs. JC Penney. Ob Jiffy vs. Jif. Ob Sketchers vs. Skechers. Und das schlimme ist, dass ich in Werbungen und Filme auch noch bestätigt kriege, dass ich Recht habe.
Was bedeutet der Mandela-Effekt angewandt auf den Film Kazaam? Ganz einfach. Es gibt Leute, die sich sowohl an den Film Kazaam sowie an einen weiteren Film mit dem Titel Shazaam erinnern. Dann gibt es Leute, die sich nur an Shazaam erinnern. Es gibt auch Menschen, die die „richtige Erinnerung“ haben und nur den Film Kazaam kennen. Zuletzt gibt es Menschen, die sich an keinen der Filme erinnern können. Ich gehöre zu der zweiten Kategorie. Ich kann mich wage an den Film Shazaam erinnern. Doch dazu später mehr.
Das an der Tatsache, dass Kazaam existiert sowie an dem Film Kazaam von Vorne bis Hinten einiges faul ist, lässt mich an den Mandela-Effekt glauben. Hier einige Indizien.
Wie konnte mir als RiesenNBA-Fan und Space Jam Fan, ein Film in dem ein Baskettball-Star mitspielt entgangen sein? In Space Jam war ich zweimal im Kino. Zwar war ich Chicago Bulls Fan, aber eben selbst dann, würde ich doch mitbekommen, dass einer vom gegnerischen Team (den L.A. Lakers) ebenfalls einen Kinderfilm gedreht hatte. Wie konnte ich den Film nicht kennen, obwohl ich jeden Kinderfilm der 90er kenne? Wieso erinnere ich mich an das Wort Shazaam und den Schauspieler, aber an nichts was mit Kazaam im Zusammenhang steht?
Es wird noch gruseliger: Der Film Kazaam ist von 1996, während Shazaam laut Leuten, die ihn gesehen haben, 1992 erschienen ist (also in ihrer Erinnerung). Weshalb sind sowohl das Setting als auch die Mode, die Musik oder Requisiten (z.B. der Ghettoblaster) eindeutig den frühen 90er Jahren zuzuordnen? Wieso sollte man einen Film von 1996 modisch und vom Setting her den Look von 1992 verpassen? Das macht null Sinn.
Shaquile O’Neil trägt zudem ein an MC Hammers-Genie Outfit orientiertes Kostüm und rappt dazu wie Hammer. Er läuft mit einem Ghettoblaster rum, wie sie in den 80ern oder Anfang der 90er benutzt wurden. Wieso? Es werden andauernd Kassetten benutzt und zwar im Jahr 1996. Wenn es 1992 gewesen wäre, dann hätte man es noch einigermaßen verstehen können. Schließlich war der Übergang von MC zu CD Anfang der 90er und niemand hat 1996 mehr MCs benutzt oder gekauft. Ghettoblaster waren Anfang der 90er auch noch in Mode, aber 1996 liefen die meisten bereits mit CD-Player rum. Alles mehr als strange. Doch am augenscheinlichsten sind Schmuck und Frisuren. Der Haarschnitte des Jungen, seiner Mutter und seiner Klassenkameraden sind prototypisch für die 90er Jahre.
Doch nun zu meiner Erinnerung. Ich erinnere mich, dass ich Shazaam einmal mit meiner Schwester gesehen habe. Dort hat ein Geschwisterpaar (großer Bruder mit seiner kleinen Schwester) auf dem Dachboden eine Wunderlampe gefunden. Sie rieben dran und ein Genie kam heraus. Er sagte, sie hätten drei Wünsche frei und haben abschließend Abenteuer erlebt. Ich weiß noch, dass ich immer gewartet habe, dass der Film nochmal gezeigt wird. An mehr erinnere ich mich nicht.
Andere Leute erinnern sich an den kompletten Plot und ganze Dialoge. Einige sagen sogar, es wäre ihr Lieblingsfilm gewesen. Die beiden Protagonisten des Films waren laut Angaben vieler Menschen Scheidungskinder gewesen, die sich vom Genie gewünscht hätten, dass ihre beiden Eltern wieder zusammen kommen. Andere sagen, sie hätten eine tote Mutter und hätten sich für ihren Vater eine neue Mutter gewünscht. Viele sagen, dass am Ende des Films eine Poolparty stattgefunden habe. Ein Mann aus den USA, der Anfang der 90er in einer Videothek gearbeitet hat, erinnert sich daran, dass der Film andauernd ausgeliehen wurde. Ständig musste er ihn zurückspulen, da die Kinder, die ihn ausgeliehen hatten, es ständig vergessen haben.
Nicht nur meine Indizien, dass etwas an Kazaam faul ist sprechen für einen Mandela-Effekt. Andere Betroffene wie ich, liefern Argumente, weshalb Shazaam mehr Sinn macht als Kazaam. Zum einen der Schauspieler Sindbad, da er eindeutig einen arabischeren Touch hat und Komiker war, der genau in Rollen wie die eines Genies passt. Zudem drehte er in den 90er Jahren andauernd Kinderfilme (u.a. Versprochen ist versprochen, in dem ich auch im Kino war). Es hätte von den Spezialeffekten auch besser Anfang der 90er gepasst. Damals drehte man Filme wie Terminator 2 oder drehte Videos wie Black and White, wo mit Computereffekten gespielt wurde. Für 1996 waren solche Effekte längst passe und nicht mehr up to date (z.B. fliegende Brote).
Der betroffene Schauspieler David Adkins, der unter seiner Stagepersona „Sindbad“ bekannt ist, meldete sich selbst zu Wort und sagte, er habe nie einen derartigen Film gedreht. Er macht sich ständig über Leute lustig, die an Shazaam glauben. Vor einiger Zeit machte er sogar eineb Aprilscherz darüber. Andauernd postet er bei Twitter, dass er so einen verrückten Film nie gedreht habe.
Doch nun kommt eine weitere Gruppe von Leuten, die eine ganz andere Theorie vorzuweisen hat. Sie behaupten, dass es sich bei Shazaam nicht um einen Mandelaeffekt handelt, sondern um eine Verschwörung von Sindbad. Der Komiker habe sich dermaßen für den Film geschämt, dass er ihn zurückrufen ließ und zwar noch bevor er käuflich auf VHS zu erwerben war. Er wurde aus dem TV verbannt und aus den Videotheken. Demnach müsste jedoch irgendwann jemand auftauchen, der den Film von der Videothekversion überspielt hat. Das ist bislang nicht passiert. Ein User im Internet schrieb spöttisch „Sindbad kann die Kasetten verschwinden lassen, aber niemand kann uns unsere Erinnerung nehmen!“
Ist es etwa auch so mit dem Mandelaeffekt? Hat man Dinge oder Universen verändert, ohne mit einzukalkulieren, dass man menschliche Erinnerungen nicht auslöschen kann? Ich weiß nicht 100% was es damit auf sich hat, jedoch habe ich meine Theorie. Es kann nicht sein, dass sich mehrere 100.000 Menschen an denselben Film erinnern.
Zuletzt noch die folgenden mehr als strangen „Zufälle“ im Zusammenhang mit Kazaam/Shazaam. Bei der Frühstücksszene von Kazaam steht auf einmal ein JIF Butterglas da, eine Marke, die selbst ein Mandelaeffekt ist. Millionen von Menschen erinnern sich an Jiffy-Butter (inklusive mir). Bei Shazaam ist das allerironischste noch, dass am Ende des Films der Genie Shazaam angeblich gesagt haben soll „Da ihr nun mein Gesicht kennt und von der Existenz von Genies wisst, muss ich leider eure Erinnerung an mich auslöschen. Alles was ihr mit mir erlebt habt, ist eigentlich gar nicht passiert!“ Das ist ja schon mehr als krass oder? Ist die Welt tatsächlich geblitzbumst worden?
Ich habe bereits einen Artikel über den Mandela-Effekt auf meinen PC. Diesen werde ich demnächst posten. Der Mandela-Effekt ist keine Verschwörungstheorie. Vielmehr handelt es sich um eine Überzeugung, nämlich die an Multiversen. Bislang konnte niemand die Existenz von Multiversen beweisen, weil uns die Mittel dazu fehlen. Jedoch kann auch niemand beweisen, dass es keine Paralelluniversen gibt.
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